Reports


Blick in die Messehalle


Das Schweizer Pornogirl Louisa Lamour


Michael Ryan mit Katja Kassin


Maria Mia signiert Autogramm-Karten


Dolly Buster mit Michael Von Der Heide
Venus 2006 (10-jähriges Jubiläum)

Von: Joey Ride, ORGAZMIK Redaktor
Bilder: Orgazmik
Oktober 2006


Die Venus ist die etablierteste und somit grösste Sex-Messe (offiziell: Internationale Fachmesse für Internet, Multimedia & Adult Entertainment) Europas - selbstverständlich hat sich ORGAZMIK das 10-jährige Jubiläum nicht entgehen lassen und ist in einer Dreierdelegation (Peach Ball, Michael Ryan & Joey Ride) nach Berlin gereist. Die Erwartungen waren hoch, handelt es sich doch um ein Stelldichein der Produzenten, Darstellerinnen und Darsteller, Regisseure, Händler und allen andern mehr oder weniger direkt Betroffenen der Branche. Ob diese Erwartungen erfüllt werden können? Natürlich sind uns die Amerikaner Meilen voraus, was den Stellenwert von Pornografie- aber insbesondere natürlich auch, was mit nackter Haut generierter Umsätze angeht.

Bereits am Flughafen Zürich war klar, dass die Schweiz am Kuchen teilhaben will: denselben Flug in die deutsche Hauptstadt hatte nebst anderen bekannten Gesichtern auch das nationale Nachwuchstalent Luisa Lamour gebucht. Was, wenn die mitreisenden Fluggäste wüssten, welch explosive Ladung hier mitgeführt wird!? Die Vorfreude hält an. Nachdem man sich, angekommen in Berlin, vorerst aus den Augen verlor, war der erste grosse Dreh- und Angelpunkt im Visier: DIE Eröffnungsparty im voluminösen Hotel Estrel. Diese Woche ist die Pornowelt hier. Bei unserem Eintreffen zum Dinner sind Stars und Sternchen allerdings noch etwas dünn gestreut. Das kühle Blonde, gemeinsam mit Produzenten und (männlichen) Darstellern des deutschen Erfolgs-Labels „Nylonic“ lässt die Erwartungen aber noch immer auf einem entsprechenden Level.

Dann der grosse Moment: wir bewegen uns Richtung Treppe, die sich in roten Teppich gehüllt, elegant zum oberen Stockwerk windet, bekommen den goldenen Bändel ums Handgelenk geschnürt, der den Schlüssel zum Pornohimmel bedeutet und werden, oben angekommen, mit Sekt begrüsst. So ists recht! Wir ziehen uns vorerst mal in die zweite Reihe zurück, von wo aus wir das Geschehen mit aufmerksamen Augen beobachten. Sind sie nun hier, oder ruhen sie sich für den Eröffnungstag aus? Ist das nicht...? Doch, da ist Leonie Luder, ihres Zeichens Orgazmik-Blickfang und Nachwuchshoffnung in der Orgazmik-Redaktion, seit sie von den Strassenkötern schamlos öffentlich gemacht wurde. Dass sie so klein und zierlich ist, hätten wir uns in ihren Filmen nicht gedacht. Und so scheu und zurückhaltend - na ja, die Party ist noch jung. Und schliesslich erblicken wir auch schon Grosses: die dollen Dinger von Dolly Buster! Erstaunlich ist allerdings nicht ihre alt(!)bekannte Oberweite, sondern ihre Begleitung: den Schweizer Chansonier Michael von der Heide hätten wir hier beim besten Willen nicht erwartet. Die Diskretion wahrend beschliessen wir, auch nicht näher nachzufragen. Trotzdem lässt uns der Schosshündchen-Eindruck irgendwie einfach nicht mehr los, da läuft uns aber bereits die nächste „Grösse“ über den Weg: Regisseur Harry S. Morgan mit Fussballschal und (das wiederum verwundert uns nicht) einem grossen Bier in der Hand. Wars das schon? Für einen kurzen Lichtblick sorgt unsere Bekannte Louisa, die mit einem süssen Lächeln an uns vorbeihuscht, dann ist es allerdings auch schon wieder vorbei mit Sonnenschein. Obwohl in grelles Gelb gehüllt, beobachten wir den Auftritt vom Amateur-Schauspieler und neuerdings Pornodarsteller in verschiedenen Eastside-Produktionen alias J.P. Love mit - nennen wirs mal - gemischten Gefühlen.

Damit wäre die kurze Geschichte der Eröffnungsparty eigentlich beinahe schon erzählt. Nach etlichen weiteren Gläsern Sekt und Bier sind wir um keine nennenswerte Erfahrung reicher. Dass alle, die bereits zum 10. Mal an der Fachmesse teilnehmen eine spezielle Auszeichnung erhalten, vermag keinen mehr so richtig zu interessieren - und die Ehrungen vom Chef Security und dem Inhaber der VIP-Shuttlebus Services eben so wenig. Sichtlich enttäuscht, dass die Eröffnungszeremonie nicht etwas mehr Glamour versprüht, zogen nicht nur wir vor dem eigentlichen Schluss von dannen. Nicht weiter schlimm, der nächste Tag versprach anstrengend zu werden, galt es doch, das gesamte Messegelände zu erkunden.

Der anschliessende Messetag konnte seinen Erwartungen gerecht werden. Sämtliche nennenswerten Produktionsfirmen waren auf dem für Europäischen Verhältnisse immensen Gelände präsent - einige amerikanische Häuser allerdings etwas gar sparsam. Digital Playground beispielsweise brachte es gerademal zustande, einige im Reisegepäck verstaute Poster auszurollen und Trailers auf einem zum rudimentären Kleinstmessestand dazu gemieteten TV laufen zu lassen. Shows waren etwas rar - das Pulver wurde fürs Massenpublikum von den folgenden Tagen aufgespart, der Tag nach Eröffnung war fürs Fachpublikum reserviert. Es blieb somit genügend Zeit, geschäftliche Angelegenheiten zu diskutieren, mit Vertrieben ins Gespräch zu kommen und neue Produktionen zu begutachten. Aufregung kam immer mal wieder auf, wenn sich an einem der grösseren Stände eine Tänzerin die Muschi an der glänzenden Stange rieb oder sich in einer anderen Ecke dieselbe mit einem wundersamen Werkzeug glatt rasierte. Diese Aufregung vermied die Britin Poppy Morgan. Selbst wir Orgazmiker erkannten das zierliche Geschöpf in Jeans und dickem Rollkragenpullover nur nach mehrmaligem Hingucken. Dass sie von uns den begehrten Blickfang-Titel und den Orgazmik-Mug als „bestes Nachwuchstalent 2006“ erhalten hat, war ihr nicht anzusehen, als sie barfuss (und damit noch kleiner!) auf ihrem Roller an uns vorbeiflitzte. Weil sie beim Inspizieren der Venus immer wieder in unser Blickfeld kam, gelang es uns glücklicherweise, uns für Fotos und ein Kurzinterview zu verabreden.

Am Ende des langen Tages, nach Zurücklegen etlicher Messe-Kilometer waren wir nicht unglücklich, der Pornowelt entfliehen zu können. Wer einen dermassen ausführlichen Einblick hinter die Kulissen der Sexindustrie erhält, läuft in Gefahr den Zauber und das Spezielle des gefilmten Ficks zu verlieren. Das geht zumindest mir so, und ich bin froh, mir einfach wieder Filme reinziehen zu dürfen, ohne wissen zu müssen, was sich dahinter für eine Vermarktungsindustrie befindet, mit welcher Maschine die DVDs gepresst werden - und wie die Mädchen von ganz nahe betrachtet aussehen.


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