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Der grosse "Do It Yourself" Report

Von: Joey Ride, ORGAZMIK Redaktor
Bild-Collage: ORGAZMIK Gfx Guru
Februar 2010


Liebe mit sich selbst ist weder abartig noch ungesund - ganz im Gegenteil. Die eigene Lustbefriedigung ist vielfältig und es gibt verblüffende "Hilfsmittel", unter anderem auch für Männer.

"Wichser!" Damit beschimpft man schon lange und noch immer Leute, die man nicht mag. Gelinde ausgedrückt. Dabei tun wir es alle: Wichsen, Onanieren, uns einen runterholen, Rubbeln, Polieren, Ausplemperln, Handlangern - oder wie die Selbstbefriedigung sonst noch kreativ benamst wird. Somit könnten sich zwei Streithähne genauso "Suppenkocher!" an den Kopf werfen. Oder "Autowascher!", "Rasenmäher!" oder "Zeitungsleser!" Der Unterschied zum Wichser besteht darin, dass dieser mit einem uralten Tabu belegt ist. Nämlich demjenigen, dass an sich selbst Hand anlegen eine Sünde sei. So zumindest versucht es uns die Bibel glauben zu machen. Oder besser gesagt, versuchen es solche, die bestimmte Bibelpassagen nach ihrem Gutdünken interpretieren. Dort beispielsweise, wo Gott einen Mann namens Onan mit dem Tod bestraft, weil dieser sich weigert, seine Schwägerin (die Witwe seines verstorbenen Bruders) zu schwängern und seinen Samen auf die Erde fallen lässt. Die Kirchen teilen alle schlicht die Auffassung, dass jegliche sexuellen Handlungen in die Ehe gehöre. Ob man sich in diesem Bunde auch selber berühren darf, ist weniger von Interesse. Der Islam allerdings hält alle Unehelichen zur Keuschheit an, und im Judentum ist es 'verboten, nutzlos Samen zu verschwenden'.

Sex-Toys: Frauen stark bevorteilt

Der Ursprung dieser Reportage liegt an der vergangenen Sexmesse 'VENUS' im vergangenen Oktober in Berlin. Nebst den Pornoproduzenten, ihren Filmen und Darstellerinnen nimmt vor allem ein Business immer stärker Überhand: die Sextoys. Allerdings, und dies ist schon sehr bemerkenswert, in einer krassen Mehrheit für Frauen. Dildos und Vibratoren in allen nur erdenklichen Varianten, Längen, Dicken, Farben und Materialien. Obwohl der Markt schon deutlich übersättigt scheint, wird dieses Rad offenbar trotzdem immer noch ständig neu erfunden. Der Besucher ist geneigt zu hinterfragen, mit welchen Neuerungen man die Benutzerinnen (oder selbstverständlich auch die Benutzer) denn noch verblüffen kann. Natürlich gibt es auch hier Frau Nimmersatt, die Dildos sammelt wie etwa Schuhe oder Handtaschen, nicht aus Gründen realer Bedürfnisse, sondern einfach um des Besitzes wille. Manch ein Schmuckstück wird wohl noch nicht mal den Weg in die Lustgrotte gefunden haben, weil es 'viel zu schade ist', dieses teure Stück zu benutzen. Aber: Alleine mit diesen Kundinnen lässt sich ja nicht der grosse Reibach machen. Warum also sich nicht einer potentiellen männlichen Zielgruppe widmen? Man könnte behaupten: Mann braucht gar keinen Schnickschnack. Er hat ja stets dabei, was er braucht für einen Moment von 'Autoerotik'. Seinen Schwanz und eine Hand - fertig. Dasselbe würde ja aber auch für die Frau gelten. Dose und Finger, was brauchts mehr? Und trotzdem hat sich um den Vibrator einen richtiggehenden Kult entwickelt, während auf den ersten Blick für die geile Männerwelt lediglich Gummipuppen (wer eine solche besitzt, macht sich lächerlich) und vielleicht noch Penispumpen existieren. Mehr Werkzeug kommt einem spontan kaum in den Sinn.

Dabei ist es nicht erst seit dem Kinokassenschlager 'American Pie' bekannt, dass Kerle ihre Dinger gerne mal in etwas Warmes stecken, auch wenn grad keine Frau zur Stelle ist. Hauptdarsteller Jim penetriert dort einen warmen Apfelkuchen - Nachahmung bedingt empfohlen. Warum gibt es denn nicht viel mehr taugliche Masturbationshilfen? Vielleicht, weil schon der Name so abturnend klingt, dass man kaum mehr einen hochkriegt? Oder weil es einem Kerl einfach reicht, mit seiner Faust ein entfernt vaginales Gefühl zu simulieren? Wer im Freundeskreis nach Tipps fragt, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht sehr ernst genommen. "Machs dir halt unter der Dusche mit Duschgel, oder eine Handvoll pflanzliches Öl soll auch für kurze Wunder wirken." Toll. Wer da nicht schon selber drauf gekommen ist, hat wohl noch nie was von Massageöl gehört. Erst wer sich in aller Öffentlichkeit traut, das Tabuthema anzuschneiden, wird fündig. Zum Beispiel in Internetforen. Dort ist der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Anonym gibt gerne mal einer preis, wie er sichs selber besorgt. Einer der Kreativsten ist der (offenbar) weit gereiste Robert. Er hat einen ziemlich exotischen Tipp auf Lager: "Bau dir doch eine Fernfahrer-Braut. Das ist eine Thermoskanne mit Hackfleisch gefüllt." Foren-Benutzer Moelders empfiehlt die etwas grobschlächtige Methode mit zwei Backsteinen. Beide Antworten sind wahrscheinlich nicht sehr ernst gemeint. Wobei zumindest die Methode der Fernfahrer schon noch etwas hat. An der Konsistenz des Hackfleisches kann bestimmt gefeilt werden, etwa mit der Beigabe von geschälten Tomaten...

Der Gang zum Gemüse- und Früchtemarkt kann sich lohnen!

Wenn es um Hausmütterchen... oder wohl besser Hausväterchen-Tricks und -Kniffe geht, wird fündig, wer sich noch tiefer in die Abgründe des Internets bewegt. Wer denkt, dass nur die Frau fündig wird auf dem Gemüse- und Früchtemarkt, hat sich mächtig getäuscht. Nicht nur reinstecken kann man sich das Zeug - auch das Gegenteil ist möglich. Da wäre zum Beispiel die sogenannte Melonen-Muschi. Nein, nicht einfach Loch rein, Schwanz rein, das geht ausgefeilter! Der Durchmesser der Aushöhlung soll nämlich etwas kleiner sein als derjenige von dem, was anschliessend rein soll. Wie im richtigen Leben halt! Jetzt hat mans gewissermassen in der Hand, wie eng es sein soll. Tolle Vorstellung, nicht? Aber auch ein simples Loch ist noch nicht gut genug. Jetzt kommt das präparierte Stück nämlich für einen kurzen Moment in die Mikrowelle. Wie lange es bei einer Melone dauert, bis mit 700 Watt Leistung Körpertemperatur erreicht ist muss ausprobiert werden. Es empfiehlt sich aber auf jeden Fall, die Temperatur vor dem eigentlichen Akt mit einem etwas weniger empfindlichen Körperteil zu überprüfen. Warum daraus nicht bereits ein kleines, lustvolles Vorspiel gestalten? Dann soll die Fruchtgrotte aber noch mit etwas Öl glitschig gemacht werden, und dann kanns losgehen. Augen auf oder zu, das ist jedem selber überlassen.

Zur Melone gibts noch einen Zusatz-Tipp: Bohrt man z.B. mit einem Bleistift noch ein zusätzliches kleines Loch von hinten in die Frucht bis durch zur grossen Öffnung, gibt es - nein, nicht, was man sich jetzt vielleicht denkt - einen richtiggehenden Special Effect. Jetzt hat man es nämlich in der Hand, rsp. am Finger, beim Herausziehen des Gliedes das kleine Löchlein zu schliessen und es beim Reinstossen zu öffnen. Das führt zu einem wohligen Vakuum-Effekt und simuliert einen veritablen Blowjob. Scheinbar.

Wer nun nicht gänzlich fantasielos ist und eine Fingerfertigkeit besitzt, die Handarbeiten erlaubt, welche übers Onanieren hinausgehen, sollte fähig sein, sich ein ganz persönliches Spielzeug herzustellen, worin Mann sich wohlfühlt. Ein paar wenige Punkte gilt es zu beachten: Das Lustobjekt soll über eine relativ enge Öffnung verfügen. Diese gilt es mit etwas Weichem, Angenehmem zu füllen, dieses Etwas ist idealerweise warm, und zur Begünstigung der Gleitfähigkeit wird ein Öl verwendet. Das kann ein angenehm riechendes Massagegel sein, billiger und nicht minder effektvoll ist jedoch Olivenöl. Das übrigens auch noch sehr gesund ist für die Haut. Das Toy kann man in Händen halten, oder man klemmts zwischen Kissen oder Sofapolster, um sich auch noch in die richtige Position bringen zu können. Schliesslich hat die perfekte Illusion, wie bereits oben beschrieben, mehrere Ebenen.

Hilfe zur Selbsthilfe muss nicht aufwändig sein

"Ich machs mir schon selbst - da will mir das Toy doch nicht auch noch selber herstellen!" Eine legitime Aussage. Und auch für den bequemen 'Handwerker' gabs an der Venus 2009 ein paar wenige Lichtblicke, abseits der Dildo-Schwemme. Man wundert sich nicht, dass es wieder einmal die Japaner sind, die mit ziemlich verrückten Entwicklungen aufwarten. Ganz ernst zu nehmen sind sie nicht alle, einige hingegen durchaus. Zuerst das Produkt aus der Scherzartikel-Ecke der Handwerkshilfen: Eine Plastikhand, die sich mit Strom betrieben von oben nach unten und wieder zurück bewegt. Ob dieses Ding tatsächlich Lust verschafft? Wenn nicht, kann das Händchen vielleicht hinter einer Bar Drinks mixen. Die Lacher hätte das Lokal auf jeden Fall auf seiner Seite. Dann gibts aber durchaus auch Hightech-Produkte aus dem fernen Osten, die man ernst nehmen darf - genauer gesagt: Aus dem Hause Tenga. Der Chef-Designer der Firma, der sich dem Lustgewinn verschrieben hat, hat es geschafft, am Messestand für Aufregung zu sorgen. Einerseits mit der Einweg- Wichsunterstützung 'Tenga-Egg' und die Mehrweg-Varianten der sogenannten Masturbatoren. Sowohl die Eier, wie auch die etwas aufwändigeren Geräte basieren auf einem ausgeklügelten Silikon-Innenleben, das ein möglichst authentisches Gefühl verspricht. Das Prinzip ist einfach: Gleitcrème einfüllen, Ding übers Ding stülpen und geniessen. Gerillt, genoppt, enger, weiter, der Fantasie, an welche Körperöffnungen das jeweilige Modell erinnern soll, sind keine Grenzen gesetzt. Auch Anal-Verkehr und Deepthroats sollen möglich sein. Und dabei sehen die futuristischen Teile nicht mal verdächtig aus. Die Luxus-Ausgabe ähnelt einem Deo oder Shampoo, und das Ei einer Kinderüberraschung.

Ebenfalls ein Wolf im Schafspelz ist das sogenannte 'Fleshlight'. Was aussieht wie eine Taschenlampe, ist tatsächlich eine Körperöffnung nach Wahl zum mitnehmen. Man stellt sich nach Lust und Laune das Innenleben des Spielzeuges zusammen: enger, weiter, genoppt oder raffiniert gerillt - das Gefühl soll unbeschreiblich und vor allem sehr realitätsnah sein. Wer es ganz günstig mag, kann sich vielleicht an der 'Waterwoman' erfreuen. Ein Plastikbeutel in Form einer Vagina oder Anus, den man mit warmem Wasser füllt. Etwas Gleitgel in die Oeffnung und los geht das Einweg-Vergnügen.

Wer gänzlich auf Hilfsmittel verzichten und sich nur auf seine eigene Hand verlassen will, kann trotzdem für Abwechslung sorgen. Wie auch beim Sex zu zweit wirken sich Stellungswechsel positiv aufs Erlebnis aus. Im Stehen, im Liegen, Kopf nach unten oder nach oben - selbst kniend oder auf einen Tisch oder Stuhl lehnend kann man sich vorne- oder hintenherum anfassen und in Stimmung bringen. Es soll auch Leute geben, die darauf schwören, den Penis am Badewannenrand zu reiben - oder auf einem Tisch. Wieder andere empfinden höchstes Glück, wenn sie sich unterstützend einen Finger oder einen Gegenstand in passender Grösse rektal einführen. Oder Ellbogen werden eingeölt und in entsprechender Sitzposition penetriert.

Vorsicht vor Gefahren!

Technik hin oder her - Tatsache ist, dass es natürlich keine körperlichen und geistigen Schäden hervorruft, wenn man Hand an sich selbst anlegt. Im Gegenteil: Die Selbstbefriedigung kann sich entspannend auswirken, ein Orgasmus belebt den Kreislauf, und auch der Fortgeschrittene kann profitieren: Dann nämlich, wenn man Stehvermögen trainiert und die Ejakulation herazuszuzögern versucht, statt schnellstmöglich abzuspritzen. Die Lust wird - wie u.a. Das Kamasutra lehrt - mit der Herauszögerung des Höhepunkts gesteigert. Übung macht den Meister!

Gefährlich wird die Masturbation in zwei Fällen. Dann nämlich, wenn eine Abhängigkeit entsteht und man den inneren Drang nicht mehr unter Kontrolle hat. Die Ernsthaftigkeit dieser Problematik ist nicht zu unterschätzen, und kann möglicherweise nur mit psychologischer Unterstützung unter Kontrolle gebracht werden. Damit verhält sichs aber nicht anders als mit vielen Dingen, bei denen der Genuss im Vordergrund steht. Nebst psychischem Schaden, kann aber auch physischer entstehen. Zum Beispiel dann, wenn man sich als Lenker eines Fahrzeuges am fleischernen Schaltknüppel zu schaffen macht. Oder wenn man - sich der starken Saugkraft eines Staubsaugers nicht bewusst - sein bestes Stück ins Rohr einführt und das Gerät in Bewegung setzt. Dabei sind schon viele Unglückliche von einem Vakuum überrascht und verletzt worden. 1978 wurde sogar eine wissenschaftliche Dissertation zu diesem Thema verfasst. Der Urologe Michael Alschibaja Theimuras widmete sich allerdings einem Handstaubsauger, der Riss-Quetschwunden durch einen rotierenden Propeller verursachte. Die Abhandlung hatte zur Folge, dass der Hersteller das Staubsaugermodell technisch abänderte und gefahrlos machte. Noch fataler kanns ausgehen, wenn man sich einer abartigen Form der Selbstbefriedigung in Zusammenhang mit Selbststrangulation hingezogen fühlt. Sauerstoffmangel weckt bei einigen Leuten Lust - allerdings nur so lange, wie sie sich dabei unter Kontrolle haben. Nicht selten führt dieses Experiment zum Tod auf dem Höhepunkt. Und nicht wenige, zum Teil prominente Persönlichkeiten, werden danach in (insbesondere für ihre Angehörigen) peinlichen Positionen aufgefunden.

Zum Abschluss noch zwei effektvolle Tipps für spezielle Gefühle simulierter Fremdeinwirkung: Befriedigen Sie sich zur Abwechslung mit der Hand, mit welcher es Sie üblicherweise nicht tun. Die Illusion, dass sich da jemand Fremdes an einem zu schaffen macht, ist verblüffend. Noch wirkungsvoller aber ein weiterer Tipp aus dem World Wide Web: Setzen sie sich für eine Viertelstunde auf Ihre Hand. Spätestens dann wird sie eingeschlafen und völlig gefühlslos sein. Führen Sie den 'Fremdkörper' nun an Ihren Penis und beginnen Sie damit, ihn zu reiben. Der Begriff 'wie von Geisterhand' erfährt mit dieser Technik eine völlig neue Bedeutung.


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