Interview

Theresa Flynt

Theresa Flynt In der Oeffentlichkeit ist Theresa Flynt nicht so bekannt wie ihr Vater, doch als Tochter des Hustler-Gründers Larry Flynt hat sie für die Firma schon viel bewegt. Orgazmik-Redaktor Michael Ryan hat sie in der Hustler-Suite anlässlich der Venus in Berlin zu einem Interview getroffen.

Michael Ryan (ORGAZMIK): Stelle dich doch bitte kurz vor und erzähle uns was Du bei Hustler machst.

Theresa Flynt: Ich bin Theresa Flynt, eine Tochter von Larry Flynt. Ich bin 39 Jahre alt und arbeite für jede Abteilung von Hustler - Internet, TV, Kleider, Filme, Accessoires und was wir sonst noch haben. Ich bin in vielen Dingen eine Art "Troubleshooter" und schaue nach dem Rechten. Meine bislang grösste Aufgabe war der Launch unseres Online-Stores HustlerHollywood.com vor knapp 10 Jahren.

In welchem Alter hast du zum ersten Mal realisiert, wie deine Familie ihr Geld verdient?

Hmmm, jemand hat mir diese Frage heute schon einmal gestellt. Ich mag mich erinnern, dass mir bewusst war, dass mein Vater bekannt dafür war, schöne Frauen abzulichten. Er hatte ja bereits vor meiner Geburt diverse GoGo-Bars und war immer Tag und Nacht am arbeiten für sein Magazin. Als ich später zur High School ging, wurde der Fall Jerry Fallwell stark in der Presse publiziert - und als schlussendlich in der Schule auf dem Pausenhof alle nur noch über meinen Vater gesprochen haben, da wusste ich, dass er wirklich berühmt ist.

Und war dir von Anfang an bewusst, dass dein Vater berühmt aufgrund sexueller, bzw. pornografischer Publikationen war?

Also das hat sich im Verlauf der Jahre ergeben. Wir hatten zu Hause keine Sachen rumliegen, auf welchen Hustler draufstand. Aber mit den Jahren sickerten natürlich immer mehr Details durch. Aber ich könnte nicht sagen, ab welchem genauen Alter mir das bewusst war.

Als ich mich auf dieses Interview vorbereitet habe, stellte ich fest, dass es auch ein Casino von Hustler gibt. Was kannst Du uns darüber erzählen und wo liegt es überhaupt?

Das Hustler Casino liegt in der Stadt Garden, Kalifornien. Die Casinos in Kalifornien sind aber komplett unterschiedlich zu denen zum Beispiel in Las Vegas. Während man in Las Vegas gegen das Casino selber spielt, spielt man in Kalifornien gegeneinander. In unserem Casino gibt es ausschliesslich Kartenspiele, welche angeboten werden. Das Casino als Veranstalter bezieht Provisionen aus diesen Wettspielen. Im Moment ist dieses Casino unsere grösste Einnahmequelle, weshalb wir es intern auch als Cash-Cow bezeichnen.

Sprechen wir mal über die Filme von Hustler. Ihr habt ja eine extrem grosse Anzahl Filme veröffentlicht und habt auch immer noch viele Serien, welche regelmässig erscheinen. Die bekannteste Serie dürfte zweifelsohne BARELY LEGAL sein. War dies von Beginn her als Serie geplant oder lediglich als einzelner Film?

BARELY LEGAL startete ursprünglich als Magazin. Da dieses Magazin ein sehr grosser Erfolg war, wurde beschlossen, auch Filme unter diesem Namen zu veröffentlichen. Der erste Regisseur war Clive McLean, der leider vor einigen Jahren an Krebs gestorben ist. Aktuell ist mit Erica McLean eine Frau für die Regie zuständig.

Die neueren Folgen sind als DVD und Blu-ray Disc erschienen. Glaubst du daran, dass die Blu-ray sich zu einem grossen Markt entwickelt wie damals die DVD oder wird dies nur ein "Zwischending" auf dem Weg zur total digitalen Welt sein?

Meine persönliche Meinung? Mit all unseren digitalen Kanälen wie Pay-TV, Internet und VOD (Video On Demand) bin ich mir nicht sicher, wie lange die Kunden wirklich noch in den Laden gehen wollen, um dort Filme auf einem physischen Medium zu kaufen. Aber eine sichere Prognose kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen. Die Blu-ray Discs verkaufen sich sehr gut, und wir werden sicherlich weiterhin auf diesem Medium Filme veröffentlichen.

Ist der Filmmarkt euer wichtigstes Geschäft, mal vom Casino abgesehen?

Unser wichtigstes Standbein nebst dem Casino ist unser TV Sender "Hustler TV". Das DVD Business läuft zwar nach wie vor gut, und wir sind dafür auch sehr bekannt - aber es ist gemessen am Umsatz nicht ein wirklich grosses Standbein von uns.

Wieviele Magazintitel verlegt ihr aktuell noch?

Das müssten um die 10 Titel sein, welche noch fortgeführt werden, unter unterem natürlich das "Hustler Magazine".

Hustler ist im deutschsprachigen Raum in den letzten Monaten häufig als Veranstalter von verschiedensten Anlässen aufgetreten, die mit Porno gar nichts zu tun haben...

Ja, wir wollen vorallem mit unseren Hustler Fashion Parties oder eben auch dem Wrestling einen neuen Kundenkreis erschliessen, damit der Brand "Hustler" auch im Mainstream eine grössere Bekanntheit und Akzeptanz erlangt.

Wird man den Tag erleben, an welchem Hustler plötzlich ein Lifestyle Label und keine Pornofirma mehr ist?

Keinesfalls, das wird mit bestimmt nicht passieren. Wir werden einfach mehr zu "Adult Mainstream". Hustler ist gleichzeitig ein Synonym für Sex und für Larry Flynt, welcher wiederum für die freie Meinungsäusserung kämpft. So tragen denn auch viele Leute Kleider von Hustler weil sie damit nicht "Sex" aussagen wollen, sondern "Freiheit".

Kommen wir doch nochmals ein wenig mehr zu dir als Person. Kennst du die Schweiz?

Ich war im Alter von etwa 13 Jahren in einem Internat in der Nähe von Lausanne. Von dort aus gingen wir auch zum Skifahren nach Gstaad.

Habt ihr daheim noch ein normales Familienleben - ich mein trefft ihr euch klassisch zu Weihnachten daheim und sitzt um den Baum um zu feiern?

Wir essen alle gerne gut, also gehen wir bei solchen Anlässen meistens auswärts essen - oder schauen uns einen Film im Kino an. Larry liebt es, sich gute Filme anzuschauen. Zudem haben wir noch unser Weihnachtsfest für die Angestellten - und da kommen jeweils doch über 700 Leute zusammen, schliesslich haben wir insgesamt auch rund 1200 Angestellte.

(Michael Ryan, Oktober 2008)



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