ORGAZMIK:
Hey Sean, amüsierst du dich an der ‘Venus’?
SEAN MICHAELS: Ich bin noch nicht
lange hier, amüsiere mich aber bereits prächtig.
Zum ersten Mal hier – vor einigen Jahren
war ich mal eingeladen, aber ich habe meine eigene
Firma gegründet, und da kannst du nicht einfach
verschwinden. Europa ist eigentlich meine zweite
Heimat. Meine Karriere hat 1989 bei Teresa Orlowski
in Hannover begonnen. Nach 1990 bin ich jedes
Jahr zweimal nach London, Italien, Frankreich
etc. gekommen, um zu arbeiten.
ORGAZMIK: Wie gehen die Geschäfte
mit ‘Sean Michaels Productions’ denn?
MICHAELS: Ich stehe manchmal
noch vor der Kamera, führe in allen Filmen
Regie, manchmal übernehm ich auch die Kameraführung.
Ich liebe es, es ist einfach hart, bei all den
Leuten, die Pornoregisseure werden wollen. Selbst
wenn du dir einen Namen gemacht hast, musst du
stets Qualität abliefern, denke ich. Aber
manchen ist Qualität echt egal, die versuchen
bloss, möglichst viele Filme zu verkaufen.
Unter dieser Einstellung haben dann aber auch
alle andern zu leiden. Meine Firma gibts seit
1999, und meine Filme aus diesem Jahr verkaufen
sich noch immer, wie beispielsweise ‘Rocks
that Ass 1’, und nun sind wir bereits bei
‘Rocks that Ass 21’ angelangt.
ORGAZMIK: Was hebt denn deine
Filme von den anderen ab?
MICHAELS: Meine sind romantischer,
leidenschaftlicher als die der meisten anderen
Labels. Meine Fans wollen sehen, dass das Mädchen
jeweils ebenfalls zum Orgasmus kommt. Ist ja klar,
dass man sieht, wie der Typ ihr ins Gesicht spritzt,
aber was ist mit dem Mädchen? Sie schreit
bloss "Ah, ah, ah!" ...
ORGAZMIK: ... und checkt zwischendurch
mal die Uhr ...
MICHAELS: ... Genau. Ich sag
meinen Mädels: "Schau, wenn du für
mich arbeiten willst, musst du dir auch die Kante
geben. Was gibt dir die Kante? Das muss ja nicht
ich sein, vielleicht Sextoys, ein anderes Mädchen,
ein Junge, was magst du?" Solange wir es
filmen und verkaufen können, natürlich.
Bei meinen Filmen sind Darsteller und Crew wie
eine Familie. Denn egal wie oft wir das tun, Sex
ist und bleibt ein intimer Akt. Je kleiner die
Crew, desto besser gehn die Darsteller ab.
ORGAZMIK: Gibts auch stilistische
Unterschiede?
MICHAELS: Ja, die Art und Weise,
wie ich meine Szenen ausleuchte, wofür ich
auch schon kritisiert worden bin. Ich versuche,
mittels Licht eine Stimmung zu erzeugen, nicht
einfach voll grell Stoff zu geben, dass man möglichst
weit in den Po eines Mädchens schauen kann.
Ich zähle mich diesbezüglich zur alten
Schule mit Meistern wie Joe D'Amato und
John Leslie. Diese Typen wussten noch, was Erotik
bedeutet. Und mein wichtigster Unterschied: keine
Rassentrennung. Dass ich 1989 nach Deutschland
kam, weil mich in den USA niemand buchen wollte,
war die beste Entscheidung meiner Karriere. Später
hat sich die Situation zwar geändert, aber
noch immer gibts bei rassenübergreifenden
Szenen Probleme, etliche Mädchen machen sowas
aus Prinzip noch immer nicht. Es geht mir nicht
nur um Schwarz/Weiss, sondern auch ums Mischen
mit Latinos, Asiatinnen etc. – weils einfach
interessant anzusehen ist. Die verschiedenen Hautfarben
wenn sich die Darsteller lieben, das ist einfach
toll anzusehen, und die verschiedenen gesellschaftlichen
Wurzeln, die sie haben.
ORGAZMIK: Was gibts zur "Venus"
noch zu sagen?
MICHAELS: Sie befindet sich auf
dem richtigen Weg. Deutschland war schon immer
einer der Vorreiter in der Erotikbranche, und
nun gehts mit der Unterstützung aus den USA
erst richtig los. Viele amerikanische Unternehmen
sind hier, was wichtig ist, weil wir einander
unterstützen müssen. Nächstes Jahr
hab ich vielleicht sogar selbst einen Messestand
mit ‘SMP’. Die ‘Venus’
ist noch nicht dort, wo die ‘AVN’
steht, aber die machen das auch schon 15 Jahre
und haben den Dreh raus, wie man von Jahr zu Jahr
besser wird. Europa ist ein grosser Markt, und
ihr braucht sowas wie "AVN" hier drüben.
In diese Richtung geht die "Venus"
derzeit, und alle machen einen tollen Job.