Interview

Joanna Angel

Joanna Angel Joanna Angel ist ein kesses Mädel und machte zum ersten Mal in einem Indie-Porn-DVD-Magazin, in dem sie sich nackt mit ihren Grufti-Kumpels auf den Sofas herumwälzte, von sich hören. Schon auf ihrer Webseite konnte man erahnen, was Joanna wirklich interessierte: laute, rörende Musik, Tätowierungen und genitale Piercing-Aktionen. Das innovative VCA-Label gab ihr 2005 die Chance ihre witzige "Action Psycho Superheldinnen Porno Farce" auf ein digitales Medium zu bannen. Das fährt ein wie ein Multivitamin-Cocktail. Ihre ersten Spielfilme JOANNA’S ANGELS 1 & 2 sind nämlich kleine witzige Meisterwerke zeitgenössischer Pornographie. Damit eroberte sie sich den Platz ganz weit oben auf dem Olymp der innovativen Sex-Filmer des 21. Jahrhunderts. Ihr erfrischender Blick auf das Genre zieht alle Register in Sachen look & feel. Frau Angel produziert Filme für ein junges Publikum, welches sich glücklich schätzen darf, mit solch hippen genitalen Turnübungen verführt zu werden: Elektro-Pop-Punk-Porno pur!

Lenzl4 (Orgazmik): Hallo Joanna, wie alt bist du eigentlich?

Äh. 26. Huch. Ich werde älter.

Nun zu einer Adam & Eva Frage: Wie bist du ins Pornofilm-Geschäft reingerutscht?
Eines Tages fragte mich mein College-Kumpel Mitch Fontaine, ob ich Bock hätte mit ihm eine pornographische Webseite zu kreieren und ich sagte mir ... Yeah, warum nicht? Am Anfang hatte ich nicht das Gefühl, dass ich jetzt in das grosse Pornogeschäft eingestiegen bin. Es war vielmehr so, wie wenn Freunde eine Musikband gründen oder sich sagen, komm lass‘ uns einen Ausflug aufs Land machen. Im ersten Moment hatte ich keine Lust, mich vor der Kamera zu zeigen, doch als es dann richtig losging fand ich es schon ziemlich seltsam und gruselig etwas knackig-nackiges von meinen Models zu verlangen und selber angezogen hinter der Kamera zu stehen. Also bin ich in mein Untergeschoss gerannt und habe Mitch gefragt, ob er ein paar nackt Aufnahmen von mir machen würde ... und so hat meine „Porno-Karriere“ angefangen.Man bezeichnet dich als „Madame des Punk Rock Porno“ - warum?

Man bezeichnet dich als „Madame des Punk Rock Porno“ - warum?
Hmm ... keine Ahnung ... ich nehme an ... Äh ... ich habe damit irgendwie angefangen? Oder ich nehme einen grossen Teil in dieser Bewegung ein. Wenn du ein Punk bist, musst du irgendwie die Ich-mach-es-mir-selbst-Ethik vertreten. Schau mal unsere Webseite BURNING ANGEL an. Mitch und ich haben die einfach online mit ein paar scharfen Bildern von mir gestellt. Wir wollten was kreieren, haben nicht lange nachgedacht und haben das Teil ruckzuck auf die Beine gestellt. Macht das Sinn, was ich da sage? Ich weiss nicht recht ... ich meine solche Fragen fahren mir irgendwie komisch ein, weil ich einfach meine Arbeit mache und andere klassifizieren sie. Frag doch mal noch jemand anderen, warum gewisse Leute mich so nennen.

Du hast einige Bekannte Musiker wie TURBONEGRO, MARYLIN MANSON und FISHERSPOONER interviewt und auf deine Webseite gestellt. Ich denke mal die ersten beiden Interpreten dürften keine Berührungsängste mit der Pornographie haben. Wie sieht es aber mit den beiden Jungs von FISHERSPOONER aus, sind die nicht ein bisschen gehemmt im Austausch von Körpersäften und Geschlechtsverkehr?
Was das Spannende an der Pornographie ist, dass jeder total unterschiedlich ihr gegenüber reagiert. Einige Leute lieben sie, andere hassen sie ... wiederum andere denken das ist Kunst und viele benutzen sie einfach, um sich einen runter zu holen. Jeder denkt sich so seine Sache dabei und so kommt jedes Interview mit Musikern, welches ich führe, ganz anders raus.

Dein erster Spielfilm JOANNA’S ANGELS war eine lustige Satire über Superheldinnen, welche gegen Perverse und Serienmörder kämpfen. Erzähl uns etwas über den zweiten Teil, welcher demnächst auf den Markt kommt.
Die Fortsetzung handelt von einem adretten Mädel, welches sich bei den „Angels“ bewirbt und abgewiesen wird. Nun will sie sich rächen. Die Bösewichtin entführt darauf die Tochter des Präsidenten und droht sie so lange festzuhalten bis die gesamte Alternativkultur für vogelfrei erklärt wird. Das Ganze ist ein lächerliches Abenteurer mit einer tröstlichen moralischen Botschaft: Es spielt keine Rolle wie viele Tätowierungen du hast, was für eine Farbe dein Haar hat oder was für eine Art von Musik du hörst ... schlussendlich zählen die inneren Werte.

Momentan wird oft und gerne darüber diskutiert, dass Regisseurinnen einen anderen Blick haben, was das Inszenieren von pornographischen Bildern anbelangt. Was denkst du darüber?
Nun, ich finde, dass jeder Regisseur so seine Art an sich hat mit dem Thema umzugehen. Was mich betrifft und einige weibliche Wesen für welche ich gearbeitet habe, kann ich nur sagen: Eine Sexszene ist nicht komplett, wenn das Mädel nicht auch ihren Orgasmus gehabt hat. Männliche Darsteller bekommen immer ihren Orgasmus ... ist schliesslich ein Teil ihrer Aufgabe. Ich bin der Meinung, dass es zum Auftrag jeder Regisseurin gehört, dass die Darstellerinnen sexuell auf ihre Kosten kommen, was übrigens nicht alle männliche Regisseure so ernst nehmen.

Du hast einen Horror-Kurzfilm mit dem Titel RE-PENETRATOR produziert. Was hat dich auf die Idee gebracht, diesen nach Stuart Gordons RE-ANIMATOR inspirierten Sexfilm zu drehen?
Ich dachte mir, dass es Sinn machen würde, einen Pornofilm mit Zombies auf Halloween zu drehen.

Du spielst auch einer der Hauptrollen in Eon McKais NEU WAVE HOOKERS. Wie habt ihr euch kennengelernt und was machst du da?

Öhm, nun ich bin eine NEU WAVE HOOKER.. Ich spiele irgendwie mich selber in diesem Film. Eon und ich haben uns vor etwa einem Jahr getroffen. Zuvor habe ich ihn online belästigt. Ich sagte ihm, dass ich sein Zeugs verdammt gut mag und irgendwie hat es zwischen uns beiden gefunkt. Seither sind wir dauernd in Kontakt miteinander.

Ausserdem planst du mit dem Fotografen und Ex-Undergroundfilmer Richard Kern zusammenzuarbeiten. Erzähl uns was über dieses Projekt.

Richard hat ein paar von den BURNING ANGEL Mädels fotografiert. Ebenso hat er ein paar Sets mit mir geknipst, welche übrigens auch auf seiner Webseite zu sehen sind. Er will in Zukunft noch mehr von „meinen“ Mädels ablichten. Ich liebe es, mit ihm zu arbeiten ... er ist einfach grossartig.

Momentan wollen ja konservative Republikaner der kalifornischen Pornoindustrie an den Kragen. Glaubst es gibt bald kein Platz mehr für gewagte und kreative Experimente in Sexfilmen?
Ich glaube, dass man in der Pornographie immer noch am ehesten die Grenzen als in irgendeiner anderen Unterhaltungsindustrie auf der Welt austesten kann.

(Lenzl4, Mai 2007)



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