Interview

Susi Medusa Gottardi

Susi Medusa Gottardi Die Filme der Regisseurin Susi Medusa Gottardi - man sagt sie komme vom Planeten Mars und durch ihre Venen fliesst norditalienisches Blut - sind nichts für Weicheier: da wird fröhlich an den Haaren gezogen, rumgespuckt und gesabbert. Schlecht gelaunte Motorradfahrer in schweren Stiefeln, mit denen man in einer Kneipe keinen Streit anfangen möchte, packen ihre Pimmel aus und schlagen diese süssen Gothic-Chicks um die zarten Ohren. Die Welten von Frau Gottardi sind bevölkert von Zuhältern mit Sonnenbrillen, Mädchen in geilen Klamotten zwischen Biker-Braut und Laufsteg-Schlampe und seltsamen okkulten Ordensbrüdern, welche ihre Zipfel in weiblichen Lustspalten versenken wollen. Dazu begleiten fremdartige elektronische Töne von Susis Hauskapelle das deftige Treiben. Frau Gottardi nahm sich die Zeit um uns ein paar Fragen zu beantworten, bevor sie weiter nach Spanien reiste, wo sie ihren neusten Film via Postproduktion für das PRIVATE Label in Form bringen will.

Lenzl4 (ORGAZMIK): Sprachlos sitzt man auf dem Sofa, nachdem man sich egal welchen Film von dir angesehen hat und fragt sich: woher zum Teufel kommt diese Regisseurin?

Susi Medusa Gottardi: Also zuerst einmal komme ich aus dem Inneren meiner Mutter heraus. Danach habe ich mich mit bildender Kunst und einige Stunden mit der menschlichen Anatomie beschäftigt. Nebenbei war ich Mitglied in diversen Skinhead- und später Rocker-Gangs, habe dabei mein Interesse für elektronische Musik entdeckt und angefangen Mode-Design zu studieren.

Wie bist du in das Pornofilm-Geschäft reingerutscht?


Ich habe mich angefangen für Pornos zu interessieren als ich gerade mal 8 Jahre alt war - bin eigentlich eine geborene Fetischistin und Voyeurin. Professionell ins Geschäft eingestiegen bin ich durch die Zusammenarbeit mit Steven Drakos von "S&S-Transworks". Das ist eine Foto-und Videoagentur, welche sich darauf spezialisiert hat die Ausstattung und "Art Direction" für das PRIVATE Label zu machen. Die machen so alles, was mit Fotografien für die Heft-Ausgaben zu tun hat, plus die filmische Ausstattung für das "Pirate"-Fetisch Label. Diese Verbindung zu Drakos ist bis heute eine fruchtbare Angelegenheit geblieben - er gibt mir die Möglichkeit meine Obsessionen visuell umzusetzen. Was du in meinen Filmen siehst, kommt alles 100% aus meinem Kopf - aus der SMG-Welt!

Glaubst du, es gibt sowas wie einen weiblichen Blickwinkel in Sexfilmen?


Hmmm, viele Leute denken ich muss ein Frau sein, die mit einem Pimmel-Syndrom im Kopf rumläuft. Ich habe irgendwie so eine verdammt männliche Vision im Kopf, wie Sex abgehen muss, mixe diese aber mit einem weiblichen Klapperschlangen-Instinkt. Viele Männer haben zwar einen fetten Schwanz, aber keine richtigen Eier. Viele Frauen haben zwar eine niedliche Muschi, aber dafür kein Gehirn. Ich weiss nicht, was ein "weiblicher Blick" sein könnte. Nur soviel: mein Blickwinkel ist geprägt von einem harten Stil, welcher nicht unbedingt mit einer Frau in Verbindung gebracht wird. Ich schreibe die Story zu meinen Filmen selber. Ich entwerfe die Klamotten selber und kümmere mich um die Ausstattung meiner Sets und schminke meine Models selber. Meine Kumpels Steven Drakos, David Evil und Alex Warrior komponieren den Soundtrack dazu ... ach ja, und ganz wichtig: ich begleite meine Produktionen im Schnittstudio bis zum Schluss.

Deine Filme sind nichts für zartbesaitete Gemüter - hast du irgendwelche Schamgrenzen oder Tabu-Themen, von denen du die Finger lässt?

Zensur und Tabus sind Phänomene, die man überall auf der Welt antrifft - nicht nur im Porno-Genre. Ab und zu hilft es auch etwas provokativer zu sein, um damit mehr Erfolg zu haben. Die Leute reden dann davon. Die "Mainstream" Vertriebe und Fernsehanstalten sind daran, alles gleich aussehen zulassen. Die machen den Leuten vor, dass selbst ein Hardcore-Film irgendwie sauber aussieht, so eine Art von langweiliger Wohlfühl-Pornografie aus der Unterhaltungsfabrik. Das Ganze sieht dann aus wie in einem sterilen Nichtraucher-Spital, wo lächelnde Sessel-Furzer das Sagen haben.

... und du liebst es anzuecken?

Ich probiere den Zuschauern immer visuelle Hindernisse in den Weg zu werfen. Was mich wirklich nervt ist, wenn man billig und auf eine primitive Art und Weise produziert, ohne Stil. Moralisten sind mir auch ein Greuel, bäh.

Okkultismus, Sex-Rituale, Motorradfahrer, seltsame Geheimbünde, flotte Models in schicken Klamotten - ein fetter Mix, der einzigartig daherkommt...

Die neueste Entdeckung von Astronomie-Wissenschaftlern ist, dass das Universum von einer dunklen Energie durchzogen ist.

Hmmmm?

Diese Energiefelder ziehen sich durch das ganze Universum, von Galaxie zu Galaxie. Diese kreativ zu nutzen in Form einer Aktion, ist das, was entscheidend ist. Meine Stärke liegt darin mit meinen Bildern Gefühle zu wecken und Dinge zu zeigen, welche anderen Leuten bis jetzt verborgen geblieben sind.

Glaubst Du man erkennt einen Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Sexfilmen?

Ich glaube die Amis mögen liebliche Märchen-Geschichten mit süssen Feen und so, während die Europäer eine Vorliebe für viel Blabla in ihren Filmen haben. Das ist natürlich auf die kulturellen Unterschiede zurückzuführen. Amerikanische Handwerkskunst gemischt mit europäischer Kreativität ist die fruchtbarste Kombination, um gute Geschäfte zu machen.

Ist der Pornofilm nach allen diesen "Fick- und Lutsch-Jahren" bereits ein Kanditat für das Sterbebett oder glaubst Du noch an eine Art von genitaler Nouvelle Vague für das 21ste Jahrhundert?

Ich selber stehe auf coole Fickfilme, bei denen es gleich deftig zur Sache geht, anstelle von zweistündigen Grossproduktionen, die verquatscht und mit müden fünfminütigen Sexszenen bestückt daherkommen. Das ist wie wenn du den Leuten einen Western verkaufst und darin wird nicht richtig rumgeballert. Was ich übrigens auch nicht mag sind Pornoversionen von bekannten familienfreundlichen Spielfilmen. Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten ... um gute und interessante Pornofilme zu produzieren brauchst du genügend Zeit ... und Zeit im Filmgeschäft kostet Geld. Die Pay-TV Fernsehleute setzen qualitative Anforderungen, damit sie Sexfilme überhaupt ausstrahlen: brav, langweilig und verquatscht. Doch die Kohle, welche sie dafür schlussendlich zahlen ist lächerlich. Zudem hast du das Problem mit der Motivation der Darsteller: die rennen dir nach einer Stunde vom Set weg, egal ob du fertig bist oder nicht. Dann kommen die Jungs hinzu, welche keinen hoch bekommen. Mädels, die so aussehen und eine Mimik draufhaben, als wären sie schon lange tot. Deine ganze Kreativität und dein Film ist durch solche Faktoren gefährdet. Deine Vision kann also ganz schnell den Bach runtergehen. Das heisst nicht, dass all die Kacke, welche von Pennern produziert wird, entschuldbar ist, oh nein, einfallslose und schluderige Filmemacher gibts in diesem Geschäft zu genüge.

Kein Zuckerschlecken also, wenn man was Spezielles produzieren möchte.

Du musst verstehen, da steckt verdammt viel Arbeit dahinter. Ich will, dass meine Filme eine eigenartige Atmosphäre haben. Das geht nicht einfach so: "Hallo Süsse, komm lass uns ficken." Richtigen, wilden Sex abzufilmen ist gar nicht so einfach. Am besten du fängst bei deinen Models an. Nimmst die schärfsten und versautesten "Engel" in der Szene und probierst sie für deine geilsten und perversesten Visionen zu begeistern. Das Ganze soll ja nicht zu einem geschmäcklerisch-braven Video-Clip verkommen. Ich denke du hast im Pornofilmgeschäft mehr Potential deinen kreativen Trieben freien Lauf zu lassen als im Mainstream-Kino. Deshalb bin ich hier gelandet. Ich will Chaos und Verstörung in die Sexfilm-Branche des 21.Jahrhunderts bringen!

Was ist deine Lieblingsband?


Die amerikanische Metal Gruppe SLAYER finde ich super und natürlich den harten SMG-Techno-Progressive-Sound, welchen wir für mein eigenes Plattenlabel produzieren. Harte Musik, organisiertes akkustisches Chaos - wie meine eigenen Filme eben.

Welcher Film ist dir besonders ans Herz gewachsen?

Ich glaube, dass die ungekürzte Fassung von Tinto Brass' CALLIGULA der beste Sexfilm ist, der je gedreht wurde.

(Lenzl4, Februar 2004)



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